Der Freiburger Weg

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Unsere Pfarrgemeinde West

Der Kirchengemeinde Freiburg mit ihren damals 17 Pfarrgemeinden wurde spätestens vor der Jahrtausendwende klar, dass sie mit ihren traditionellen Strukturen nicht mehr zu einer gewandelten Gesellschaft passte. Die Diskussion ging inhaltlich darum, wie denn „Kirche in der Großstadt“ auszusehen habe. Die Neugestaltung kirchlicher Arbeit sollte auf eine engere Zusammenarbeit der Pfarrgemeinden und auf Profilierung durch Schwerpunktbildung hinaus laufen.

Ein erster Strukturausschuss erarbeitete ein Konzept, nach dem jeweils zwei Pfarrgemeinden fusionieren sollten. Die Umsetzung erwies sich als schwierig, da die inhaltliche Zielsetzung des Modells nicht ausdiskutiert war. Der Reformversuch wurde gestoppt und eine neue Struktur-Arbeitsgemeinschaft berufen. Ein Modell der Zusammenarbeit unter Berücksichtigung des städtischen Umfelds, der Finanzsituation, dem Immobilienzustand und der rechtlichen Möglichkeiten war zu entwickeln.

Die Struktur-AG erarbeitete ein Modell mit „Pfarrunionen“ (Arbeitstitel), in denenjeweils 3 bis 5 Pfarrgemeinden zusammengeschlossen werden sollten. Die Idee, diese jeweils als Kirchengemeinde mit eigener Rechtspersönlichkeit zu konstituieren, wurde jedoch bald aufgegeben, denn dann wäre auch jede Union für ihre jeweiligen Immobilien voll verantwortlich gewesen. Zwei andere Modelle unterschieden sich in der Intensität des Zusammenkommens. Während eine Fraktion dafür plädierte, die Pfarrgemeinden bestehen zu lassen und lediglich vertraglich eine Zusammenarbeit zu vereinbaren, wollten andere Gemeinden Unionen jeweils als Gruppenpfarramt etablieren.

Dafür hätten die Ortsgemeinden aufgehoben und durch jeweils eine Pfarrgemeinde mit entsprechend 3 bis 5 Pfarrstellen als Gruppenpfarramt ersetzt werden müssen. Der Name „Gruppenpfarramt“ stieß allerdings auf Ablehnung, war doch die Erfahrung mit dieser Struktur nicht überall positiv gewesen.

Der Satzungsausschuss der Struktur-AG versuchte einen Kompromiss zu finden. Sein Entwurf sah vor, die Pfarrämter zusammenzufassen, um Schwerpunkte in der Arbeit zu ermöglichen. Ältestenkreise vor Ort sollten jedoch belassen werden, um die Bindung an die Gemeinden nicht zu verlieren. Dieses „Freiburger Modell“ war zwar nicht durch die Grundordnung der Landeskirche abgedeckt, hätte jedoch für eine begrenzte Zeit als Erprobung eingerichtet werden können.

Schema StaditkirchenbezirkZu einer solchen Sonderregelung kam es jedoch nicht, denn die Landessynode beschloss eine Änderung der Grundordnung, die im Oktober 2005 in Kraft trat und die nahezu eine exakte Abbildung des „Freiburger Modells“ auf der Grundlage des geltenden Rechts erlaubte. Mit der neuen Regelung war es möglich, Pfarrgemeinden mit Teilorten (sog. „Predigt bezirken“), Teilortwahlen und örtlichen Zuständigkeiten zu bilden. Demnach waren die „Unionen“ nun doch Gruppenpfarrämter, allerdings solche der neuen Regelung mitPredigtbezirken als Ortsgemeinden und „Ortsältestenkreisen“. Ehemalige „Unionen“, also die neuen Pfarrgemeinden mit Gruppenpfarrämtern, haben nun viel Freiheit, ihre interne Struktur selbst festzulegen. Ob Pfarrgemeinden Predigtbezirke einrichten, ob dort zusätzlich Ortsältestenkreise gewählt werden, wie die Pfarrgemeinden die Hauptamtlichen einsetzen oder wo sie das Pfarrbüro oder weitere Dienststellen einrichten wollen: all dies ist den Pfarrgemeinden weitgehend selbst überlassen. Zumindest für die Pfarreien der ehemaligen Kirchengemeinde Freiburg war es ein neues und ungewohntes Gefühl, nun - bis auf das Kernvermögen der Immobilien - selbst für ihre Finanzen verantwortlich zu sein. Hier hieß es zu nächst, einen Überblick zu bekommen, was mit den knappen vorhandenen Mitteln wirklich machbar war.

Der „Freiburger Weg“ wurde - wie geplant - mit einer Befragung in den Gemeinden überprüft. Was ist gut? Was sollte man gegebenenfalls anders machen? Im Hintergrund schwingen zwei Fragen mit: Bleibt es bei dem neuen Typus großer Pfarrgemeinden? Hat sich der konkrete Zuschnitt der Pfarrgemeinden in Freiburg mit einer Anzahl von 2 bis 6 Predigtbezirken bewährt?
Christian Bock